ein mumifierter Frosch aus Volgershall in

Bernhard Nürnbergers

Wunderkammer_Kinderstube

 

Ausstellung in der Galerie im Kulturforum Lüneburg - Gut Wienebüttel

20. - 30. Oktober 2016

Eröffnung: 20. Oktober 2016, 19.30 Uhr / Öffnungszeiten: Fr, Sa 15 - 18, So 11 - 15.30 Uhr und nach Vereinbarung

1.

30 Tage vom 10. Mai bis 9. Juni 2016:

Erinnerungssplitter aus der Lüneburger Kindheit (links), mit assoziativen Zuordnungen in der Gegenwart (rechts)

 
 
 

 

 
 
10. Mai 2016
 

 

Donnerkeile aus Volgershall gesucht und gefunden und einen mumifizierten Frosch (s. o.)

die Gespensterbäume im äußeren Park.

das Huhn Gackelaia

das Sonntagsnachmittagsspaziergangsheimkehrlied der Geschwister: "Ich seh' den Wasserturm"

die Initialen in die Rinde der "Kletterbäume" schnitzen

ein Wiesel mordet einen Truthahn und saugt sein Blut aus

ein Rosenthalrelief mit dem Konterfei Adolf Hitlers, gefunden im Dienstgarten der Familie, vormals der Garten des Oberarztes

das Kinderspottlied „August hat n’ Vogel...“, ein Verstoß gegen die elterliche Mahnung zum Respekt gegenüber den Patienten der Anstalt

Wasserflöhe käschern in der Pferdeschwemme des Gutes Wienebüttel, für die Aquarienfische des älteren Bruders

der schräge Weg

der Moosberg im Anstaltspark ist das Grab des Riesen

die Heizungsgänge im Anstaltspark

ein Seeigel aus Feuerstein vom Acker aufgesammelt

der vom Großvater geschenkte "vorzeitliche" Stein mit Loch, gern für eine Keule gehalten

im Anstaltsgelände weckt die Kinderabteilung in Haus Nr.-- die Neugier der kleinen Horde der Spielgefährten, mit dabei die Schwester, zum Angucken der etwa gleichaltrigen Kinder, die dort hinter dem hohen Zaungitter des Stationsgartens stehen, die ihrerseits neugierig an den Zaun kommen. Schweigen auf beiden Seiten. (wann? - Vorschulzeit)

der suspendierte Anstaltsleiter Dr. Bräuner wohnt im Ärztehaus unter der Familie;

der Vater erzählt von den Tötungen "schwachsinniger" Kinder während des Krieges durch einen anreisenden SS-Arzt, dass der nach 1945 von den Briten eingesezte Direktor Redepenning ihn zur Durchsicht der Akten hinzugezogen habe, weil er neu eingestelltund und unbelastet war (wann? - später)

Herr Hübscher hatte Meningitis;

Herr Wartenberg, der "Gartenpatient", kiekt Spöken (sagt man) und hat eine Freundin;

in Brockwinkel ersticht ein Patient einen anderen mit einer Forke

Alexandra ist die erste Patientin, die der Mutter im Haushalt hilft, sie stammt aus Polen, soll, so die Mutter, auf einem westpreußischen Gutshof aufgewachsen sein; sie spricht deutsch

Albrecht darf im Dachboden über der Wohnung einen Taubenschlag einrichten; Alexandra dreht den jungen Täubchen, den Hals um, eine Drehung, ein Ruck, gerupft und ausgenommen, gebraten, gesessen, köstlich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

die Kletterbäume 2016

der Moosberg 2016

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alexandra war eine sogenannte Ostarbeiterein, sie wurde krank und ins Landeskrankenhaus eingewiesen; nach ihrer Zeit in der Familie bekam sie ein Kind, ging zurück nach Polen, ihr zweites oder drittes Kind bekam den Namen Bernhard. Die Eltern hielten Kontakt zu ihr bis in die 80er Jahre

 
11. Mai 2016
 

 

der Volksschullehrer Herr Peter Müller malt für jeden Schüler seiner 1. Klasse ein Bilder-Lesebuch: ein Motiv: eine gelbe Blume, Text: Die Blume ist gelb. seine Kollegin Frau Kortzstock lässt die Luft aus einen Reifen eines Schülerfahrrades und kassiert das Ventil ein: es war an die Schulhofsmauer gelehnt. Kotzstock.

der Volksschullehrer Herr Müller lässt den Rechenunterricht ausfallen. Stattdessen: Werken. Bernhard meißelt ein Eichörnchen aus einem Grabstein, bei der Schnauze hilft der Lehrer, vom Schwanz bricht ein Stück ab.

der Patient Herr Hohgrebe schlachtet ein Karnickel, hängt es an den Hinterläufen an einen Eisenhaken, der in einer Mauerfuge in der roten Klinkerwand des Ärztehauses steckt, an der Ecke zum Hühnergehege, und zieht ihm fachgerecht den Balg über die Ohren

der Volksschullehrer Herr Müller bekommt zu Weihnachten einen Kuchen von der Mutter: Billi zeichnet dazu mit Buntstiften einen Tannenzweig und eine Kerze: die Nadeln sprießen in die falsche Richtung: den Eltern ist's peinlich, die mühselig ausradierte und korrigierte Zeichnung sieht scheußlich aus.

der Zeichenlehrer am (privaten) Gymnasium Harald Illies - Sohn von Arthur Illies - liefert die schwungvolle Vorzeichnung für eine Laubsägearbeit: das Niedersachsenross umrahmt von Bäumen, unter rechts ein Staffelgiebel.

 

eine bei Reppenstedt an einem Feldrain gefangene Eidechse. Sie windet sich in der Hand. Kneift und drückt. Ein Blick. Erschrecken und Ekel. Es ist der Schwanz. Das Tier ist entkommen, der Schwanz wird nachwachsen, wie es im Buch zu lesen ist.

 

 

 

die Brüder finden eine Wehrmachtspistole (Walther) im Gebälk des Dachbodens des Hauptgebäudes oberhalb der Dienstwohnung, Onkel W. testet erfolgreich ihre Tauglichkeit im äußeren Park. Dann verschwindet sie bis 2001 im Schreibtisch des Vaters

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
12. Mai 2016
 

 

im Frühjahr: auf dem Acker links des Schulweges nach Ochtmissen: ein mit dem Mist ausgebrachtes totes Ferkel

im Winter in einer ehemaligen, mit Wasser vollgelaufenen Kieskuhle links des Weges nach Ochtmissen: eine ertrunkene Kuh unter dem Eis

die drei Brüder sticken gemeinsam in der Adventszeit Tannenzweige auf die Adventsdecke - mit korrekter Nadelstellung

Billi jagt Schmetterlinge im Anstaltspark, ausgestattet mit einem selbstgebauten Käscher und einem Behältnis aus einer Pappröhre mit einer Kordel, um sie um den Hals zu hängen; Äther vom Vater

Billi zerlegt Gewölle; die aussortierten Knochenteile der Feldmäuse werden in ein Zigarillokästchen geklebt, nummeriert und benannt .

Billi sammelt Tierschädeln

die "Oma Weimar" in der Ostzone schickt ein Paket mit einer Weihnachtsgans nach Lüneburg, die auf der langen, verzögerten Reise über die Zonengrenze ungenießbar wurde. Billi beerdigt sie im Garten. Nach der etwas zu frühen Exhumierung im Frühling wird der noch nicht vollständig entfleischte Kopf im Garten auf offenem Feuer abgekocht. Das Wasser verkocht, das Schädel brennt an; die beschädigte Stelle wird mit einem gefalteten Stück Papier ergänzt.

es ist ein Entenschädel

 

 

 

 

 

 

 

 
13.Mai 2016
14.Mai 2016
15. Mai 2016
 

Sonntagsnachmittagsspaziergänge mit der ganzen sechsköpfigen Familie in Richtung Gut Wienebüttel und Brockwinkel zur Landwehr; Empörung der Mutter, wenn andere Fußgänger wegen des behinderten Kindes ungeniert neugierig glotzten.

Sonntagsbekleidung für die Jungs: von der Mutter gestrickte graue Wolljacken "Janker" mit grünen Rändern und Talerknöpfen, und baumwollene, weiße Kniestrümpfe

ausnahmsweise und etwas ganz Besonderes: nach dem Spaziergang Einkehren im Lokal Möchsgarten. Kuchen und Sinalco

 

   
18. Mai 2016
 

die Brüder "keschern" Wasserflöhe in der Pferdeschwemme des Gutes Wienebüttel, für die Aquariumfische des ältesten Bruders

vor der Treppe zum Anstaltsfriseur Herr Funk in Haus ? : der Patient August putzt Fahrräder für die Kinder mit einen öligen Lappen, für einen Groschen

 

 

die Pferdeschwemme, heute ein unzugänglicher, Baum umstandener Teich

 

 

 

 

19. Mai 2016
 

 

 

   
20. Mai 2016
 

 

 

 

 

 

 

 
21. Mai 2016
 

 

Die Weihnachtsbescherungsglocke

 

 

 

 

 
22. Mai 2016
 

 

der Rostbach in der Nähe der Schwanenteiche. Ein kleines Wasserrad wird gebaut.

 

in der Zeit vor der Grundschule ist die Schwester Hiltrud in der Regel Teil der in der Nähe des Hauptgebäudes spielenden Gruppe der Kinder - die Brüder und die Freunde aus dem Pflegerdorf. Es kommt vor, das sie geärgert wird. Die Mutter unterbindet zunehmend ihre Beteiligung. Hiltrud schaut aus dem Fenster im Zweiten Stock zu.

 

 

auf den Schwanenteichen werden selbstgebaute Segelschiffe auf ihre Fahrtüchtigkeit hingestestet, meist landen sie im Schilf

 

es gibt zwei Arten Patienten, die einen "haben Ausgang", die anderen nicht

es ist etwas Besonderes, dass der Gartenpatient Herr Wartenberg eine Freundin hat, ebenfalls Patientin. Sie sollen sich im äußeren Anstaltspark treffen, wird erzählt.

 

 

 

auf dem Markt in Lüneburg am Stand von Frau Könning mit dem jüngeren Bruder Kirschen aus dem Dienstgarten verkaufen, (1954 und 55) die zuvor durch fleißiges Abschießen mit dem Luftgewehr (s. u.) der Amseln vor dem Verzehr durch diese gesichert worden waren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bach bei Löcknitz (MV)

 

 

 

 

 

23. Mai 2016
 

 

 

eine Amsel wird mit dem Luftgewehr im Garten erlegt, gerupft, ausgenommen und gebraten, nach dem Vorbild des Großvaters, des Vaters der Mutter. ein, zwei Spatzen erweisen sich ebenfalls als sehr schmackhaft, auch für die Katze Karo

 

 

Kracki

der Finger-einklemm-Nussknacker aus Eichenholz, geschnitzt nach Wilhelm Buschs "Unglücksrabe Hans Huckebein" von einem Patienten in der Heil- und Pflegeanstalt Hildburghausen; Erbstück vom Großvater, in den 20er und 30er jahren Direktor des Landeskrankenhauses Hildburghausen in Thüringen

 

 

 

 

 

 

 

 

Kracki soll von einem Knacki der Haftanstalt Hildburghausen geschnitzt und vom Großvater gekauft worden sein. (Erinnerungsvariante)
 
24. Mai 2016
 

 

ein Spielgefährte aus dem "Pflegerdorf" zeigt in einer Hecke drei, vier an Bindfäden erhängte, "ausgenommene", noch nicht flügge Vögel, um zu schockieren. Das gelingt. Ekel, Erschrecken, gieriger Blick auf die nackten, rosa, blauvioletten Körper. Andere hätten sie mit Stöckern zu Tode geprügelt, sagt er. Der Verdacht: er selbst war beteiligt.

eine Spielgefährtin erzählt, andere Kinder hätten Frösche aus dem Graben in der Landwehr bei Brockwinkel aufgeblasen. Tatsächlich? oder erfunden um zu schokieren?

 

 

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25. Mai 2016
 

 

ein Artikel in der Lüneburger Landeszeitung: Entdeckung eines Großsteingrabes bei Putensen nahe Salzhausen. Ohne Wissen der Eltern und Geschwister auf's Fahrrad, ca. 20 km nach Putensen, ein Spaten auf dem Gepäckträger. In der Gegend von Putensen, irgendwo in einem dünnstämmigen Kiefernwald: ratlos. Rückkehr. Aus der Kindertraum von der Raubgrabung, dem Fund eines Faustkeils, einer Urne, eines Bronzeschmucks.

 

 

 

 

 

 

Großsteingrab bei Wollschow

 

 
26. Mai 2016
 

 

aus Mutters Aussteuer

 

Bewunderung für den Vater, wie er mit seinen kurzen, dicken Fingern der Linken auf dem blanken Tisch ein Streichholz aus der Schachtel holt und es anzündet.

 

der schöne Kalksteinblock des Vaters hält das Papier fest, damit es beim Schreiben nicht wegrutscht

 

 

 

 

 
27. Mai 2016
 

 

 

Mutters Küchensachen

 

 

regelmäßig kommt auf dem Wienebütteler Weg der von zwei Pferden gezogenen Milchwagen vorbei. Er bringt Vorzugsmilch, von der die Mutter die Sahne abgießt, die sich oben in einer dicken gelblichen Schicht abgesetzt hat, ............

gefrorene Pferdeäpfel sind ausgezeichnete Wurfgeschosse. Einer trifft ein Fenster der Wohnung des gefürchteten Amtmanns Nolte im zweiten Stock des Hauptgebäudes. Ohne dass die Scheibe kaputt. Der Amtmann reißt das Fenster auf und brüllt noch wütender als wie sonst wegen Spielen in der Prunkrabatte vor dem Gebäude. Ärger beim Abendbrot.

 

 

 

 

 

 

 

 
28. Mai 2016
 

Billi hat auf dem Weg zur Herrmann-Löns-Schule (Grundschule) die Kappe eines Füllers gefunden und dem Lehrer Begründung für das erheblichen Zu-spät-Kommen gezeigt.

am Marktbrunnen ist eine kleine wasserspeiende Bronzefigur besonders attraktiv: eine Hexe mit ziegeneuterartigen Brüsten. Aus einer, die sie mit einer Hand hält, fließt ein Wasserstrahl

 

 

 

 
29. Mai 2016
   
   
30. Mai 2016
 

 

Bernd F. wohnt mit seinen Eltern im Ärztehaus, er ist frech und macht Bernhard den Namen Bernd kindheitslänglich verhasst.

 

 

 

 

die Flüchtlingsfamilie F. war vom Wohnungsamt in ein Zimmer der elterlichen Wohnung einquartiert worden.

 

 
31. Mai 2016
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

in einer Hauswand am Platz vor der Michaeliskirche steckt eine Kanonenkugel, die dort hineingeschossen worden sein soll, heißt es. Es ist das Haus von Johanna Stegen.

Pfefferminzbruch wird (heimlich) am Süßwarenstand am Rand der Sülzwiese gekauft

die Nissenhütten für Flüchtlingsfamilien dort in der Nähe gegenüber.

 

 

 

im Winter auf dem Schulweg nach Ochtmissen: Sprünge in die großen Schneewehen
 

die eier des teufels

Die Schale eines ausgelöffelten Frühstückseies solle man, so belehrte mich meine Tante Gertrud lachend, sofort mit dem Löffel durchstoßen, damit der Teufel seine Eier dort nicht hinein legt. Sie sagte das, wenig später nachdem sie mich hereingelegt hatte. Beim Sonntagsfrühstück neben mir sitzend, hatte sie ihr Ei verspeist und, von mir unbemerkt, die Schale im Eierbecher umgedreht und mir mit strahlend großzügigem Blick hingeschoben. Der Schlag meines auf die unerwartete Gabe eines zweiten Eies fröhlich niedersausenden Eierlöffels bei diesem, wegen des Besuch der geliebten Tante, der Schwester meiner Mutter, besonderen Familienfrühstücks, das hohl knirschende Geräusch vernichtete meine dankbare Begeisterung abrupt.

Meine Reaktion darauf ist schamvoll im dichten Nebel meiner kindlichen Erinnerung verschwunden. Eine Aufklärung über volkstümliche Gebräuche im Umgang mit geleerten Frühstückseiern war ich damals nicht in der Lage zu erfragen. Etwa, warum es nicht Sitte war, den lieben Schwager, in diesem Fall also meinen Vater, zu foppen? Oder die Frage, welche Art Teufel meine Tante wohl ritt und sie seine Eier dem arglos treuherzigen Neffen kredenzen ließ? Und die Eier des Teufels, wie konnte ich mir die vorstellen? Zu ihm, dem bocksfüßigen und beschwanzten Wüstling auf dem Blocksberg, ritten scharenweise auf struppigen Besen alte, hässliche Weibsen. Gab es einen Zusammenhang mit den ‚Bocksbeutel’ genannten Flaschen, in die der von meinem Vater geschätzte Frankenwein abgefüllt war, bei deren Nennung meine Mutter, für mich unverständlich, regelmäßig unterdrückt vergnügt kicherte? Mir kam auch nicht in den Sinn, dass der Teufel zwar kein Legehenne ist, aber immerhin in der biblischen Gestalt der ebenfalls Eier legenden Schlange, vermittelt über die Flugsaurier ein entfernter Verwandter der Hühner sein mochte. Oder war er vielleicht der gefährliche, von uns Kindern gefürchtete, Rhodeländer Hahn? Das wilde Staub-und-Federn-Spektakel der Gewalt in unserem Hühnerhof, das Auseinanderstieben der gackernde Hennen, der aufgewirbelte, scharfe Ammoniakgeruch sprachen dafür, wenn er mit strammrotem Kamm, schlingerndem Halsgehänge und spektakulär schwankenden Schwanzgefieder über seine Lieblingshenne Gackelaia herfiel.

Das kleine Handbeil meiner Mutter, das ich heute, knapp sechzig Jahre später, zum Kleinholzspalten benutze, saust irgendwann nieder, ich weiß es nicht, ob vor oder nach dem Sonntagsfrühstück mit Besuch, trennt den Körper vom Kopf Gackelaias eben dort, wo der Hahn während seiner vielen wüsten Trittattacken ihren Hals bis auf die geschundene, blassrosa Hühnerhaut entfedert hatte. Zugleich die Blöße ihrer flatternden Hingabe, das Zeichen seines zügellosen, gewaltsamen Begehrens, Ziel des erlösenden Axthiebes und Schnittlinie zwischen Lieblingshenne und Suppenhuhn. In einer steilen Aufwärtsgeraden steigt ihr weiß gefiederter Körper auf zum wahrscheinlich längsten Flug ihres da schon gestückten Lebens zum weitest möglich vom Hauklotz entfernten Punkt diagonal über das drahtvergitterte Geviert des Hühnerhofs, den Boden des Geheges mit einer korrespondierenden Linie roter Tropfen im Takt des Flügelschlags tüpfelnd, einäugig beobachtet vom nach Hühnerart mit einem letzten Ruck in Blickrichtung gebrachten Kopf. Die Echsenklauen verkrallen sich im Maschendraht.

> Kapitel aus "Die Konspiration der Dinge"

 

 

 
1. Juni 2016
 

 

der "Hammermann" ermordet eine Krankenschwester des Landeskrankenhauses im Rohbau eines Einfamilienhauses in der Straße "Bei Mönchsgarten", dem Weg runter in die Stadt zu Bäcker Fritzke. Das Tatwerkzeug wird in einem Eisenwarenladen in der Großen Bäckerstraße ausgestellt.

 

 
2. Juni 2016
 

 

Bau von Flitzebögen aus Haselnussästen, Bau von Papierdrachen. die auf dem Acker hinter dem Pflegerdorf steigen gelassen werden.

Bau von Zwillen aus Astgabeln, ausgerüstet mit Einmachgummis von Weckgläsern der Mutter. Kieselsteine als Geschosse. Die nie getroffenen Ziele: Vögel

Kibbel-Kabbel-Spiel

Marmeln, gewöhnliche aus glasiertem Ton und solche aus Glas mit farbigen Schlieren

 

 

 

Zwille

 

 
3. Juni 2016
 

 

Lüneburger "Halbstarke" zerschlagen im Altstadtkino bei der Vorführung des Films "Rock Around The Clock" die Sitzmöbel

die Katze Minka schlägt im Badezimmer vom Wannenrand aus nach dem Weihnachtskarpfen. Er blutet stark und muss notgeschlachtet werden.

das Fischbassin am Wasserturm. Hier schwimmen bis zum Verkauf die Karpfen und Schleie aus den "Schwanenteichen" im äußeren Anstaltspark.

 

 

 

 

 

 
4. Juni 2016
 

   
5. Juni 2016
 

 

in der in die Erde eingegrabene Wassertonne im Garten ist ein Eichhörnchen ertrunken

 

 

 

 

 
6. Juni 2016
 

 

in der Lauensteinstraße stehen regelmäßig Fäkalienkübel am Bordstein. Die Deckel sind mit einen Gewindestab in der Mitte verschlossen. Lüneburg, Stadt der Giebel und der Kübel, heißt es.

 

im äußeren Park eine Igelmutter mit 4 oder 5 Jungen gesehen, genau an der Stelle an der, ein paar Jahre zuvor in der Vorweihgnachtszeit die Adventsengel aufflogen und tatsächlich gesehen waren, nachdem die Mutter von ihnen erzählt und dann gerufen hatte, da, Kinder, guckt!, da sind sie. Später belustigt sich die Mutter darüber vor anderen.

 

 

 

 

 
7. Juni 2016
 

 

 

 

 

 

 
8. Juni 2016
 

 

im Garten mit dem jüngeren Bruder gegenseitig die Gesichter mit Gips abformen. Technik nach Hörensagen. Papierröllchen in die Nasenlöcher. Die Gesichter mit Niveacreme geschützt, damit der Gips sich gut ablöst. Es klappt sehr gut. Nur die Wimpern bleiben in der Form hängen. Die Form im geringen Abstand vorsichtig vor dem Gesicht haltend, die Lider angehoben im Garten herumgetappt..... nach und nach die Erlösung. Rote Augen. Das Ausgießen der Negative klappt sehr gut, das Positiv ist mit einigen echten Wimpern ausgestattet.

der Wetterfrosch im großen Einweckglas. Er wird mit Brummern gefüttert, die nun auch von der futterneidischen Katze gejagt werden. Damit er das Wetter anzeigen kann, bekommt er eine Leiter. Er überlebt den Winterschlaf in der kühlen Speisekammer nicht.

 

 

 

 

 
9. Juni 2016
 

 

ein Erdfall auf dem Feld an der Döringstraße, gegenüber der Gärtnerei Wrede.

die Schwester Hiltrud geht in die Hilfsschule am Marienplatz. Sehr bald wird sie von den Eltern wieder herausgenommen. Sie hatte sich bei der Mutter beklagt, dass sie geärgert worden war, es ist von nicht akzeptablen Zudringlichkeiten die Rede.

 

 

 
         
     

 

 

 
 

 

 

 
   
  später ergänzte Erinnerungen / Juni 2016  
 

pünktlich um zwei Uhr wird gegessen. Komm Herr Jesus, sei unser Gast und segne, was du uns bescheret hast.

Der Vater bekommt das größte Kotelett.

am Mittagstisch erzählt der Vater der Mutter regelmäßig von den Ärztekonferenzen.

In einer Konferenz ist entschieden worden am Nachmittag einen Patienten mit Elektroschocks zu behandeln; dem Vater fällt es schwer.

 

 

 

selten sind Autos, wenn eins zu hören ist, rennen die Kinder zum Gartentor um es zu sehen. Einmal kommt ein Panzer der Tommys und wendet vor den Haus.

der "schwarze Weg" hat seinen Namen von der schwarzen Koksschlacke aus dem Kesselhaus der Anstalt, mit der er befestigt ist. Hier lernen die Kinder Rad fahren, auf Mutters Fahrrad.

Vatertag: in der Ligusterhecke gegenüber schläft ein Betrunkener. Betrunkene Männer sind gefährlich. Die Mutter: seid freundlich.

 

 

 
 

 

 

der Katzentisch der Geschwister

 

 

heute noch gern von Enkeln benutzt (2016)

 

 
 

 

das Feldbett für die Gemütlichkeit des Vaters im Garten: ein Wehrmachtsbeutestück von australischen Truppen

 

 

die Beuteplane für den Biwak im Garten

 
 

 

Eereignis "in den Kletterbäumen": ein Mädchen, sonst selten bei der Gruppe der spielenden Kinder: Ilse: große Aufregung, Ilse himmelt.

 

 

 

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 
 

 

 

 

 

 
 

 

 

 

 

 
 

 

 

 

 

 

 
 

 

der Vater hat einen Bandwurm, schluckt Medikamente um ihn abzutöten. Er zeigt ihn den Kindern im Toilettenbecken: ein Haufen Makaroni. Der Vater ist sehr blass.

früh morgens am Weg zur Grundschule (Herrmann-Löns-Schule) an der Ecke Bei Mönchsgarten / Wienebütteler Weg eine Baugrube: ein menschlicher Schädel mit einer schmalen ringförmigen, Grünspanverfärbung. Der Archäologe Billi tippt auf Bronzezeit, die Spur eines Kopfreifs. Mittags ist er verschwunden.

die Villa der Familie Behrens in der Parkstraße nahe dem Bahnhof ist das vorübergehende Domizil der privaten Oberschule vor der Etabilierung in Ochtmissen (später Herderschule), Prügelei mit Freund Eckhard N. aus der Lauensteinstraße

 

 

 

 

 

 
 

 

Hiltrud schreibt

 

 

 

 

 

 

 

 

Es war einmal ein Mann, der hatte sieben Söhne. Die sieben Söhne sprachen: "Vater, erzähl uns eine Geschichte." Da fing der Vater an: 'Es war einmal ein Mann, der hatte sieben Söhne. Die sieben Söhne sprachen: 'Vater, erzähl uns eine Geschichte.' Da fing der Vater an: 'Es war einmal ein Mann, der hatte sieben Söhne. Die sieben Söhne sprachen: 'Vater, erzähl uns eine Geschichte.' Da fing der Vater an: 'Es war einmal ein Mann, der hatte sieben Söhne. Die sieben Söhne sprachen: 'Vater, erzähl uns eine Geschichte.' Da fing der Vater an: 'Es war einmal ein Mann, der hatte sieben Söhne. Die sieben Söhne sprachen: 'Vater, erzähl uns eine Geschichte.' Da fing der Vater an: 'Es war einmal ein Mann, der hatte sieben

 

 
 

 

 

 

 

Ein Hund kam in die Küche
und stahl dem Koch ein Ei.
Da nahm der Koch den Löffel
und schlug den Hund entzwei.

Da kamen viele Hunde
und gruben ihm sein Grab
und setzten drauf 'nen Grabstein,
darauf geschrieben stand:

Ein Hund kam in die Küche
und stahl dem Koch ein Ei.
Da nahm der Koch den Löffel
und schlug den Hund entzwei.

 

 

 
 

 

 

 

 
 
 

 

 

 

 

 

 
   

Bernhard Nürnberger:
 
     
www.galerie-imaginaire.de
 
         
     
 

 

 

 

 

 

 

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