ein mumifierter Frosch aus Volgershall

Bernhard Nürnbergers

Wunderkammer_Kinderstube

 

10.

Malte Wienebüttel trifft Heinrich Heine

(in Arbeit)

 

 

 

 

Heinrich Heine:

Die Harzreise / Reise von München nach Genua /

4 physiognomische Fragmente

1

Dieser Herr war ganz grün gekleidet, trug sogar eine grüne Brille, die auf seine rote Kupfernase einen Schein wie Grünspan warf, und sah aus, wie der König Nebukadnezar in seinen spätern Jahren ausgesehen hat, als er, der Sage nach, gleich einem Tiere des Waldes, nichts als Salat aß.

2

Die eine Dame war die Frau Gemahlin, eine gar große, weitläufige Dame, ein rotes Quadratmeilengesicht mit Grübchen in den Wangen, die wie Spucknäpfe für Liebesgötter aussahen, ein langfleischig herabhängendes Unterkinn, das eine schlechte Fortsetzung des Gesichtes zu sein schien, und ein hochaufgestapelter Busen, der mit steifen Spitzen und vielzackig festonierten Krägen, wie mit Türmchen und Bastionen umbaut war.

3

Die andere Dame, die Frau Schwester, bildete ganz den Gegensatz der eben beschriebenen. Stammte jene von Pharaos fetten Kühen, so stammte diese von den magern. Das Gesicht nur ein Mund zwischen zwei Ohren, die Brust trostlos öde,wie die Lüneburger Heide; die ganze ausgekochte Gestalt glich einem Freitisch für arme Theologen. (...)

4

Es war eine dünne, merkwürdige Figur. Ein Köpfchen, sparsam bedeckt mit grauen Härchen, die über die kurze Stirn bis an die grünlichen Libellenaugen reichten, die runde Nase weit hervortretend, dagegen Mund und Kinn sich wieder ängstlich nach den Ohren zurückziehend. Dieses Gesichtchen schien aus einem zarten, gelblichen Tone zu bestehen, woraus die Bildhauer ihre ersten Modelle kneten; und wenn die schmalen Lippen zusammenkniffen, zogen sich über die Wangen einige tausend halbkreisartige, feine Fältchen. Der kleine Mann ... lächelte (er) wie ein Mops, der den Schnupfen hat.

*

 

 

 

 

 

Obgleich ich, lieber Leser, jetzt die Gelegeneheit hätte, bei der Erwähnung der Brera und Ambrosiana Dir meinen Kunsturteile auftischen, so will ich doch diesen Kelch an Dir vorbei gehen lassen und mich mit der Bemerkung begnügen, dass ich das spitze Kinn, das den Bildern der lombardischen Schule einen Anstrich von Sentimentalität gibt, auch auf den Straßen von Mailand bei mancher schöner Lombardin gesehen habe Es war mir immer außerordentlich belehrend, wenn ich mit den Werken einer Schule auch die Originale vergleichen konnte.

 

 

 

 

 

 

Zur Vergeltung, lieber Leser will ich dir jetzt Signora Franscheska eben so mäkelnd schildern; aber ich habe wahrlich an dieser lieblichen, fast leichtsinning eformten Graziengestalt nichts auszusetzen. Auch das gesicht war ganz Göttermäßig, wie man es bei griechischen Statuen findet, Stirne und nase gaben nur eine einzige senkrechte Linie, einen süßen rechten Winkel bildete damit die untere Nasenlinie, die wunderbar kurz war, ebenso schmal war die Entfernung von der nase zu Munde, dessen Lippen an beiden Enden kaum ausreichten und von einem träumerischen Lächeln ergänzt wurden; darunter wölbte sich ein liebes volles Kinn und der Hals - Ach! frommer Leser, ich komme zu weit...

 

 

 

 

 

 

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